Hundekostüme sind ein zu hinterfragender Brauch zu Halloween und Weihnachten

Sag „Nein!“ zum Hundekostüm

Das Hundekostüm hat insbesondere zu Halloween, aber auch zu Weihnachten, Hochkonjunktur. Vor Halloween wird jedes Jahr mein Instagramfeed mit Bildern von verkleideten Tieren geflutet. Warum das einfach nur gruselig und nicht in Ordnung ist, erkläre ich euch in diesem Video am Beispiel von Hunden. Meine Argumente treffen aber natürlich auch auf alle anderen Tiere zu. Ich exerziere das hier am Beispiel von Hunden durch, weil ich in diesem Bereich meine Expertise habe.

Wie stehst du zu Hundekostümen? Was machst du, wenn dir Leute ihre „lustigen“ Fotos von ihren verkleideten Hunden zeigen? Lass gerne einen Kommentar zu diesem Thema da!

Hundekostüme und Feste sind Erfindungen von Menschen

Unsere Feste und Traditionen wurden , gemeinsam mit dem Brauch sich ein Kostüm anzuziehen, irgendwann von irgendjemanden erfunden. Versteht mich nicht falsch, Feste haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion und ich möchte sie nicht missen. Sie sind aber aus unserer Geschichte heraus entstanden und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Sie sind also menschengemacht.
Unsere Hunde kennen das Konzept unserer Feste nicht und sie kennen auch nicht den Sinn der Verkleidungen, die uns zu Fasching, Halloween oder Weihnachten eine Riesenfreude machen. Ganz im Gegenteil, Hunde können diese Verwandlungen häufig nicht richtig einordnen und reagieren mit Ambivalenz auf plötzlich so anders aussehende Menschen, die sie normalerweise gut kennen. Auch würden Hunde, wenn sie sich frei entscheiden könnten, nicht von sich aus in ein zum Beispiel herumliegendes Hundekostüm schlüpfen. Vielmehr zeigen sie deutliche Stresssymptome.

Hunde müssen an das Anziehen und Tragen von Geschirren oder Kleidung gewöhnt werden

Vielmehr fällt es vielen Hunden schwer ein Geschirr oder einen Regenmantel anzuziehen und sie müssen langsam an das Anziehen sowie Tragen von Geschirr und Mantel gewöhnt werden. Sie sind also auch das Anziehen von Hundekostümen in der Regel nicht gewöhnt. Zwar tragen viele Hunde mit Stolz ihren Regen- oder Wintermantel und viele Besitzer:innen nehmen sich ausreichend Zeit, ihre Hunde an die Mäntel etc. zu gewöhnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der gleiche Hund plötzlich das Tragen eines Hundekostüms, eines schweren Kürbiskopfes oder eines Haarreifens mit Rentiergeweihen (wird zu Weihnachten wieder kommen) gewöhnt ist und sich dabei wohl fühlt. An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass es hier nicht darum geht, einen gut auftrainierten Regenmantel zu verteufeln. Für viele Hunde ist es wichtig, dass sie einen Mantel tragen können und sich dabei wohl fühlen. Gründe hierfür können zum Beispiel orthopädische Leiden sein oder dass ein Hund kein oder kaum wärmendes Unterfell hat. Auch brauchen viele sehr kleine Hunde im Winter einen wärmenden Hundemantel. Und damit komme ich direkt zu meinem nächsten Argument.

Verkleidungen zu Halloween erfüllen keine sinnvolle, für den Hund gewinnbringende Funktion

Die Hundekostüme haben keinerlei sinnvolle Funktion für den Hund. Sie steigern weder das Wohlbefinden des Hundes noch sind sie gesundheitsförderlich und dienen dem Schutz vor Kälte oder Regen. Vielmehr dienen sie ausschließlich dazu, uns zu belustigen. Der Hund im Kostüm wird also zu unserer Bespaßung oder für mehr Klicks instrumentalisiert. Parallel dazu zeigen viele Hunde in Kostümen signifikante Stresssignale, auf die ich später noch näher eingehen möchte. Das ist meines Erachtens ethisch nicht vertretbar.

Die meisten Hunde fühlen sich in Kostümen unwohl

Kommen wir zu den Stresssignalen an einem anschaulichen Beispiel, dass ich in meinem aktuellen YouTube-Vixdeo analysiere. Mit einem Klick auf das untenstehende Bild kommst du direkt zum Video:

Hundekostüme sind ein zu hinterfragender Brauch zu Halloween und Weihnachten
Mit einem Klick aufs Bilde kommst du direkt zum Video auf YouTube

Ein anderes, sehr anschauliches Beispiel ist auf Instagram zu sehen. Auch in diesem Video zeigt der Hund, kurz bevor ihm der Kürbis über den Kopf gestülpt wird, ein deutliches Stressanzeichen: Er leckt sich über die Nase. Auch muss man sich einmal vorstellen, welches Gewicht ein solcher Kürbis auf dem Kopf bedeutet! Und noch mal: Hunde kennen das Konzept vom Jack Pumpkinhead, einer Figur aus der Kinderliteratur, nicht.

Entscheidend ist die Bewertung des Hundes

Nun mag der eine oder die andere sagen: „Das ist nicht so schlimm für den Hund!“ oder „Ich habe das mit meinem Hund geübt, wir haben das trainiert!“. Zu Argument 1: Wir wissen nicht, wie schlimm es für den Hund ist, denn er kann nicht mit uns sprechen. An der Körperoberfläche sehen wir immer nur einen Teil der Emotionen, die im Hund stattfinden und ich habe kaum ein Video oder Foto gesehen, auf dem der Hund nicht deutliche Stresssignale zeigt. Zu Argument 2: Ja, man kann Hunde an solche Kostüme oder Tricks gewöhnen. Dennoch dürfen wir einen anderen Aspekt nicht vergessen: Wir haben eine Reichweite und damit komme ich zu meinem letzten Argument: Die Vorbildfunktion.

Reichweite bringt Verantwortung mit sich

Alle Personen mit Reichweite, seien es nun Influencer:innen auf social media oder Lehrer:innen, die einen Schulhund führen, haben eine besondere Verantwortung. Vielleicht habe ich das mit meinem Hund geübt oder trainiert. Oder ich habe einfach einen genügsamen Hund, der das mit sich machen lässt und erduldet. Stelle ich einen solchen Umgang mit meinem Hund ins Internet, dann wird es ab einer gewissen Reichweite immer Nachahmer:innen geben, die das mit ihrem Hund zu Hause oder dem Hund von Freunden nachmachen. Möglicherweise ist dieser Hund nicht so genügsam und wehrt sich mit den Mitteln, die ihm als Hund zur Verfügung stehen. Dann sind die Menschen womöglich erschrocken, dass der eigene Hund knurrt oder gar abschnappt. Im schlimmsten Fall kommt es jedoch zu ernsten Verletzungen, weil der Hund beißt.
Hunde können zwar nicht mit Worten „Nein“ zum Hundekostüm sagen, aber sie zeigen ihr Unwohlsein doch sehr deutlich. Wir als Bezugspersonen müssen nur hinschauen und unser Auge schulen. Es gibt so viele andere Möglichkeiten, unsere Feste mit unseren Hunden zu zelebrieren als ihn zu verkleiden oder ihnen irgendwelche Haarreifen aufzusetzen. So gibt es im Internet auch wunderschöne hundefreundliche Halloweenbilder und ich feiere die Aktion „Sag Nein zum Hundekostüm!“ von Dogs and Kids.
Weihnachten steht vor der Tür und ich weiß, dass wieder unendlich viele Bilder von Hunden mit Haarreifen oder Weihnachtsmützen gepostet werden. Mein Appell mit diesem Video ist jedoch: Mach diesen Trend einfach nicht mit, sondern setze ihm positive Alternativen entgegen. Lass deinen Hund mit dem Schnickschnack in Ruhe. Setze dir die Mütze oder den Haarreifen selber auf und lass deinen Hund Hund sein. Auch so werden deine Fotos schön, bekommen likes und du bist auch noch ein tolles Vorbild für den Umgang auf Augenhöhe mit Tieren. In diesem Sinne: Tschüß und bis zum nächsten Video!Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit.

Im Video und diesem Text verwendete Quellen

Unter der Canva Pro Lizenz* genutzt wurden:
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C2 @wolfhund_maheoo_und @pandorya.photo (2022): Maheoo auf dem Kürbis https://www.instagram.com/p/CVs0HpbIChi/ Veröffentlicht in: Meta Platforms Ireland Limited (2022): Instagram. Dublin. Letzter Zugriff: 02.12.2022
C3 @Chestnut_border_ Köhler, Tanja (2022): Border Collie mit Plastikhand im Maul [ https://www.instagram.com/p/CkKxkAyIyvN/ ]Veröffentlicht in: Meta Platforms Ireland Limited (2022): Instagram. Dublin. Letzter Zugriff: 02.12.2022
C4 @dogsandkids Peter-Plum, Claudia (2022): Account @dogsandkids. Veröffentlicht in: Meta Platforms Ireland Limited (2022): Instagram. Dublin. Letzter Zugriff: 02.12.2022

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