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Wenn Freude Lernen verändert – was eine internationale Großstudie über Lehreremotionen bedeutet und was der Schulhund damit zu tun hat

Stellt euch vor, ihr kommt morgen früh gut gelaunt in euren Unterricht – und das verändert, was eure Schülerinnen und Schüler am Ende des Tages gelernt haben. Klingt fast zu einfach, oder?

Genau das hat eine aktuelle internationale Großstudie untersucht – und die Ergebnisse sind erstaunlich klar. Für mich als Hundetrainerin und ehemalige Lehrerin mit über 12 Jahren Schulerfahrung und sieben Jahre langer Arbeit mit dem Schulhund im Klassenzimmer war die Lektüre dieser Studie ein echter Moment des Wiedererkennens. Denn vieles, was die Forschung jetzt empirisch belegt, habe ich in der Praxis erlebt – und erlebe es noch täglich in der Schulhundausbildung.

In diesem Beitrag möchte ich euch die Studie vorstellen, ihre wichtigsten Befunde erläutern – und dann zeigen, warum ich glaube, dass die hundegestützte Pädagogik genau das verkörpert, was die Forschung als lernförderlich identifiziert. Die Ergebnisse kannst du dir auch in meinem Video auf YouTube ansehen.

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Die Studie: Emotionen von Lehrpersonen und Lernerfolg

Pfeifer, Lüdtke, Klusmann und Frenzel (2026) haben im Journal of Educational Psychology eine Studie veröffentlicht, die auf den Daten der »Global Teaching InSights«-Studie der OECD basiert – einer der größten Videostudien zum Unterricht weltweit. Untersucht wurden 679 Mathematiklehrkräfte und ihre jeweils über 17.500 Schülerinnen und Schüler aus acht kulturell sehr verschiedenen Ländern: Chile, China, Kolumbien, Deutschland, Japan, Mexiko, Spanien und Großbritannien.

Die zentrale Frage: Wie hängen die Emotionen von Lehrpersonen – konkret Freude und Ärger – mit der Unterrichtsqualität zusammen? Und wie wirkt sich das auf den Lernerfolg der Kinder aus?

Die Forschenden haben drei Indikatoren für Unterrichtsqualität untersucht, die in der internationalen Bildungsforschung als besonders relevant gelten:

  • Klassenführung: Wie gut schafft die Lehrkraft ein strukturiertes, ruhiges Lernumfeld mit klaren Regeln und Ritualen?
  • Lehrer-Schüler-Beziehung: Wie unterstützend, wertschätzend und vertrauensvoll ist das Verhältnis zwischen Lehrkraft und Kind?
  • Kognitive Aktivierung: Regt die Lehrkraft echtes Nachdenken an – oder werden nur Abläufe reproduziert?

Die Befunde sind bemerkenswert klar: Lehrkräfte, die beim Unterrichten Freude erleben, werden von ihren Schülerinnen und Schülern in allen drei Dimensionen besser bewertet – als strukturierter, als beziehungsstärker und als kognitiv anregender. Das gilt kulturübergreifend in allen acht Ländern. Umgekehrt gilt: Lehrkräfte, die negativen Emotionen ihrer Arbeit gegenüber erleben, werden in allen drei Bereichen schlechter wahrgenommen.

Und diese Unterrichtsqualität hat dann wiederum einen direkten Effekt auf die Lernenden: Freude führt über bessere Unterrichtsqualität indirekt zu mehr Interesse, höherer Selbstwirksamkeit und besseren Leistungen – Ärger bewirkt genau das Gegenteil. Die Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren ist eindeutig: Das emotionale Wohlbefinden von Lehrpersonen ist keine Privatangelegenheit – es ist eine bildungspolitische Frage.

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Was das mit Schulhundarbeit zu tun hat

Für mich war beim Lesen dieser Studie sofort klar: Was hier beschrieben wird, erleben wir in der hundegestützten Pädagogik täglich – und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig, oft verstärkt.

1. Klassenführung: Struktur durch Präsenz

Ein gut ausgebildeter Schulhund verändert das Klassenklima spürbar. Stress nimmt nachweislich allein durch die Anwesenheit des Hundes ab (Meints et al., 2022). Die Gruppe beruhigt sich – nicht weil die Kinder müssen, sondern weil sie wollen. Aktive Phasen mit dem Hund fokussieren die Schülerinnen und Schüler (Hediger & Turner, 2014), und die für einen sicheren Hundeeinsatz notwendigen Regeln und Rituale schaffen zusätzlich Struktur und Erwartungssicherheit (Kotrschal & Ortbauer, 2003).

Wie Rituale mit dem Schulhund Struktur und Freude in den Unterricht bringen

Für die Lehrkraft bedeutet das: weniger Energie für Disziplinierung, mehr Raum für echte Unterrichtsarbeit. Und: Die Anwesenheit des eigenen Hundes fördert die Ausschüttung von Oxytocin (Beetz et al., 2012) – das senkt als Gegenspieler von Cortisol das Stresslevel der Lehrkraft und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit Freude dabei ist. Genau die Freude, die laut Studie Unterrichtsqualität und Lernerfolg steigert.

2. Lehrer-Schüler-Beziehung: Der Hund als Brücke

Die unterstützende Lehrer-Schüler-Beziehung ist laut Pfeifer et al. (2026) ein zentraler Mediator für das Interesse der Kinder. Kinder, die sich ihrer Lehrkraft nah fühlen, lernen lieber und zeigen mehr Engagement.

Der Schulhund ist hier ein unvergleichlicher Türöffner (Meixner & Kotrschal, 2022): Er geht auf Kinder zu, die sich normalerweise nicht trauen, von sich aus Kontakt zu suchen. Er agiert wertfrei – Aussehen, Herkunft oder soziale Stellung beeinflussen sein Verhalten nicht. Er bricht das Eis zwischen Kind und Lehrkraft, weil die Lehrkraft mit dem Hund etwas emotional Wichtiges aus ihrem Privatleben mitbringt. Dieses Vertrauen wird von den Schülerinnen und Schülern in der Regel sehr wertgeschätzt.

In der Bindungsforschung spricht man vom »sicheren Hafen«: Wenn Kinder sich sicher und verbunden fühlen, erkunden sie, nehmen Risiken auf sich und lernen (Beetz et al., 2012). Der Schulhund macht diese Sicherheit für viele Kinder spürbar und körperlich erfahrbar – nicht nur kognitiv (Mombeck & Albers, 2024).

3. Kognitive Aktivierung: Tiefes Denken durch echte Situationen

Kognitive Aktivierung ist laut der Studie der stärkste Prädiktor für Selbstwirksamkeit und Leistung. In der hundegestützten Pädagogik entstehen kognitiv aktivierende Situationen fast von selbst: Der Hund reagiert nicht auf das, was das Kind sagt – sondern auf das, was es tut und wie es sich verhält. Das ist unmittelbares Feedback. Das regt zum Nachdenken an (Verhoeven et al., 2023).

»Warum hat der Hund das gerade gemacht?« »Was habe ich anders gemacht als beim letzten Mal?« »Wie kann ich kommunizieren, damit der Hund mich versteht?« – Das sind echte Denkprozesse, die Perspektivenwechsel und Selbstreflexion fördern. Kinder lernen dabei nicht nur über den Hund – sie lernen über sich selbst, über Kommunikation, über bedürfnisorientiertes Handeln.

Der positive Kreislauf

Die Studie beschreibt einen Kreislauf: Freude führt zu besserer Unterrichtsqualität, bessere Unterrichtsqualität führt zu besserem Lernerfolg – und der Erfolg der Schülerinnen und Schüler nährt wiederum die Freude der Lehrkraft (Pfeifer et al., 2026; Frenzel et al., 2021).

In der Schulhundarbeit ist dieser Kreislauf besonders lebendig. Die Freude der Kinder, mit dem Hund zu arbeiten, ist sichtbar, direkt und ansteckend. Ich kenne kein Schulhundteam, bei dem die Lehrkraft sagt: »Das ist sinnlos.« Es ist das Gegenteil: Trotz der Mehrbelastung wird die hundegestützte Arbeit als sinnstiftend erlebt und als eine wichtige Säule des pädagogischen Handelns.

Aber – und das ist wichtig – dieser Kreislauf funktioniert nur, wenn Hund und Mensch gut ausgebildet sind, wenn das Team aus Mensch und Hund auf Basis positiver Verstärkung und auf Augenhöhe arbeitet (Meixner & Kotrschal, 2022). Ein gestresster Hund im Klassenzimmer kehrt genau diesen Kreislauf um.

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Drei Impulse für eure Praxis

Was könnt ihr aus alledem mitnehmen?

Erstens: Eure eigene emotionale Gesundheit ist Bildungsarbeit. Das emotionale Wohlbefinden von Lehrpersonen ist kein Luxus – es ist eine professionelle Verantwortung (Pfeifer et al., 2026; Klusmann et al., 2022). Das gilt für euch – und für euren Hund. Beobachtet ihn genau: Ist er entspannt, motiviert, bei der Sache? Ein ausgebrannter Hund ist keine pädagogische Ressource.

Zweitens: Beziehung vor Leistung. Die Forschung belegt: Die Qualität der Beziehung zwischen Lehrkraft und Kind ist der zentrale Hebel. Nicht der Lehrplan, nicht die Methode – die Beziehung. Der Schulhund kann diese Beziehung auf einzigartige Weise stärken, wenn er bedürfnisorientiert und auf Augenhöhe eingesetzt wird (Verhoeven et al., 2023).

Drittens: Ausbildung ist die Grundlage. Damit all das möglich wird, braucht es eine solide Ausbildung – nicht nur Hundekenntnisse, nicht nur pädagogisches Wissen, sondern beides zusammen mit einem geschulten Auge für den Hund (Meixner & Kotrschal, 2022). Genau das ist der Kern unserer Ausbildung beim PfotenHafen.

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Fazit

Eine Studie mit über 17.000 Schülerinnen und Schülern in acht Ländern belegt: Die Emotionen von Lehrpersonen sind kein Randthema – sie sind ein zentraler Faktor für Unterrichtsqualität und Lernerfolg. Freude führt zu besserer Klassenführung, stärkeren Beziehungen und tieferen Lernprozessen.

Und die hundegestützte Pädagogik – wenn sie gut gemacht ist – schafft genau den Rahmen, der das ermöglicht: echte Freude, echte Beziehung, echtes Nachdenken. Nicht als Zufall, sondern als Haltung.

Das ganze Video dazu findet ihr auf meinem YouTube-Kanal.

Quellen

Beetz, A., Julius, H., Turner, D. and Kotrschal, K. (2012) ‘Effects of social support by a dog on stress modulation in male children with insecure attachment’, Frontiers in Psychology, 3, Article 352. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2012.00352

Burić, I. and Frenzel, A.C. (2023) ‘Teacher emotions are linked with teaching quality: Cross-sectional and longitudinal evidence from two field studies’, Learning and Instruction, 88, Article 101822. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2023.101822

Fredrickson, B.L. (2001) ‘The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions’, American Psychologist, 56(3), pp. 218–226. https://doi.org/10.1037/0003-066X.56.3.218

Frenzel, A.C., Daniels, L. and Burić, I. (2021) ‘Teacher emotions in the classroom and their implications for students’, Educational Psychologist, 56(4), pp. 250–264. https://doi.org/10.1080/00461520.2021.1985501

Hediger, K. and Turner, D.C. (2014) ‘Can dogs increase children’s attention and concentration performance? A randomised controlled trial’, Human-Animal Interaction Bulletin, 2(2), pp. 21–39.

Klusmann, U., Aldrup, K., Roloff, J., Lüdtke, O. and Hamre, B.K. (2022) ‘Does instructional quality mediate the link between teachers’ emotional exhaustion and student outcomes?’, Journal of Educational Psychology, 114(6), pp. 1442–1460. https://doi.org/10.1037/edu0000703

Kotrschal, K. and Ortbauer, B. (2003) ‘Behavioural effects of the presence of a dog in the classroom’, Anthrozoös, 16(2), pp. 147–159.

Meixner, J. and Kotrschal, K. (2022) ‘Animal-assisted interventions with dogs in special education – A systematic review’, Frontiers in Psychology, 13, Article 876290. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2022.876290

Meints, K. et al. (2022) ‘Can dogs reduce stress levels in school children?’, PLoS ONE, 17(6), e0269333. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0269333

Mombeck, M.M. and Albers, T. (2024) ‘The impact of a school dog on children’s social inclusion and social climate in a school class’, European Journal of Investigation in Health, Psychology and Education, 14(1), pp. 1–18. https://doi.org/10.3390/ejihpe14010001

OECD (2020) Global Teaching InSights: A video study of teaching. Paris: OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/20d6f36b-en

Pekrun, R. and Goetz, T. (2023) ‘How universal are academic emotions? A control-value theory perspective’, in Motivation and emotion in learning and teaching across educational contexts. New York: Routledge, pp. 85–99.

Pfeifer, M.E., Lüdtke, O., Klusmann, U. and Frenzel, A.C. (2026) ‘Linking teacher emotions, teaching quality indicators, and student outcomes in mathematics: Results from the Global Teaching InSights study’, Journal of Educational Psychology. https://doi.org/10.1037/edu0001036

Verhoeven, R., Butter, R., Martens, R. and Enders-Slegers, M.-J. (2023) ‘Animal-assisted education: Exploratory research on the positive impact of dogs on behavioral and emotional outcomes of elementary school students’, Children, 10(8), Article 1316. https://doi.org/10.3390/children10081316

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