BARFen oder Rohfleischfütterung stellt für Mensch und Hund ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

BARF für den Schulhund? – Eine kritische Betrachtung

BARF, die auf rohem Fleisch und fleischigen Knochen basierende Ernährung von Hunden, erfreut sich zunehmender Beliebtheit und führt unter Hundehalter:innen häufig zu heftigen Diskussionen. Die Rohfleischfütterung scheidet die Geister und Diskussionen über die optimale Fütterung von Hunden werden häufig sehr emotional geführt und beziehen sich dabei wenig auf vorliegende wissenschaftliche Studien.

Rohfleischfütterung, ja oder nein? – Zwei zu betrachtende Ebenen

Bei der Entscheidung über die Fütterung des Haus- und Familienhundes sollten zwei Ebenen betrachtet werden: Zum einen muss die Fütterung des Hundes bedarfsgerecht sein und somit den Hund mit ausreichenden Nährstoffen versorgen. Zum anderen sind durch das enge Zusammenleben mit dem Haustier Hund mögliche Gesundheitsrisiken für die Bezugsmenschen in Erwägung zu ziehen. Bei einem in der pädagogischen Arbeit eingesetzten Schulhund sind hier die entsprechenden Bezugsgruppen in Schule und Kita ebenfalls zu berücksichtigen.

Der hier vorgelegte Blogartikel fasst die Ergebnisse einer Studie der Züricher Universität zusammen und soll eine Entscheidungshilfe für Schulhundler:innen darstellen.

BARF oder die Rohfleischfütterung stellt ein Gesundheitsrisiko  für Mensch und Tier dar.
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BARF als Ernährungsform – ein Überblick

Das BARFen erfreut sich insbesondere aufgrund seines Rufes zunehmender Beliebtheit unter Hundehalter:innen, wird es doch als eine natürliche und gesunde Ernährungsweise für den Hund angesehen. Unterstützt wird diese Wahrnehmung dadurch, dass die Abkürzung BARF für den Begriff „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ steht.

So werden – ungeachtet der unzureichenden wissenschaftlichen Datenlage – als Argumente für die Rohfütterung häufig Vorteile für den Verdauungstrakt, ein gesünderes Immunsystem und eine allgemein bessere Vitalität des Hundes angeführt (Freeman et al. 2013, zit. in Nüesch-Inderbinen et al. 2019: 2). Die auf Rohfleisch basierende Ernährung des Hundes setzt sich hauptsächlich aus rohem Muskelfleisch, Innereien und fleischigen Knochen zusammen. Einige Ernährungspläne inkludieren Obst, Gemüse und Getreide in den Speiseplan des Hundes. Die oben aufgeführten Rohfleischanteile stellen – wie beim konventionellen Futter auch – Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung für Menschen dar, sie sind jedoch frei von Zusätzen und Nahrungsmittelergänzungen.

Hygienevorschriften und ihre Realität bei Rohfleischprodukten

Die Produktion von rohem Tierfutter unterliegt in der Europäischen Union (EU) strengen Hygieneauflagen, die in der Hygienevorschrift für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte sowie derer Durchführungsverordnung festgelegt sind (Europäisches Parlament und Europäischer Rat 2009, Europäische Union 2009).

In den letzten Jahren wurde zunehmend evident, dass mit Salmonellen und Bakterien belastetes Rohfleisch zu einem erhöhten Infektionsrisiko für Menschen führt. Die dabei festgestellten Infektionsquellen sind vielfältig und reichen vom direkten Kontakt mit dem kontaminierten Fleisch über die Futterschalen des Haustieres, den allgemeinen Haushaltsoberflächen bis zum direkten Kontakt mit den Tieren. Des Weiteren werden zur Haustierfütterung deklarierte Rohfleischprodukte für die Verbreitung gegen Antibiotika resistenter Keime verantwortlich gemacht und insbesondere dieser letzte Aspekt ist bei der Rohfütterung von Haustieren besonders besorgniserregend: Gegen Antibiotika resistente Keime stellen eine der größten Herausforderungen für die weltweite Gesundheit von Mensch und Tier dar (Baede et al. 2015, Baede et al. 2017, Davies et al. 2019, Fredriksson-Ahomaa et al. 2017, Hellgren et al. 2019, Lefebvre et al.2008, van Bree et al. 2018; alle zit. in: Nüesch-Inderbinen et al. 2019: 2).

Methodik1

Vor diesem Hintergrund haben Nüesch-Inderbinen et al. (2019: 2-3) von der Universität Zürich 51 Proben Rohfleischhundefutter untersucht. Diese wurden in verschiedenen Tiergeschäften, die sich in einem Umkreis von 300 km des Labors befanden, erworben. 31 Proben stammten aus der Schweiz, 20 Proben waren aus Deutschland importiert. Die Kühlkette wurde bei einer Temperatur von -20°C aufrechterhalten. Vor der Analyse wurden die Proben bei 4°C aufgetaut und alle Proben wurden vor dem Ablauf des Verbrauchsdatums untersucht (Nüesch-Inderbinen et al. 2019: 3).

Die Mehrheit der Rohfleischproben waren mit Enterobacteriaceae sowie gegen Antibiotika resistente Keimen kontaminiert. Ebenso wurden Salmonellen gefunden.
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Ergebnisse der Studie zur Qualität der Rohfleischproben

Enterobacteriaceae

Die Ergebnisse der Studie von Nüesch-Inderbinen et al. (2019: 4) stellen sich wie folgt dar: Die Qualität der untersuchten Rohfleischprodukte war bei 72,5% unbefriedigend und lag signifikant über den von der EU zulässigen Grenzwerten für Enterobacteriaceae. Damit bestätigt die hier besprochene Studie die Evidenz, dass für die Tierfütterung verkaufte Rohfleischprodukte eine gesundheitliche Gefahr darstellen.

Salmonellen

Salmonellen konnten in 3,9% der Proben identifiziert werden. Bereits in einer schwedischen und einer US-amerikanischen Studie waren 7% der Proben mit Salmonellen kontaminiert. In einer niederländischen und kanadischen Studie waren es sogar 20% der Proben (Hellgren et al. 2019, van Bree et al. 2018; alle zit. in: Nüesch-Inderbinen et al. 2019: 9. Dies widerspricht der in den oben bereits zitierten EU-Richtlinien ausgerufenen Null-Toleranz-Politik bei Salmonellen. Salmonellen können als pathogene Keime bei Tieren zum einen Infektionen hervorrufen, zum anderen scheiden nicht symptomatische Tiere als Träger Salmonellen aus und kontaminieren sowohl die Umwelt als auch die Menschen, mit denen sie in Kontakt kommen. Dies stellt ein schweres gesundheitliches Risiko für vulnerable Gruppen wie kleine Kinder, schwangere Frauen, immunsupprimierte Personen sowie Senioren dar.

Gegen Antibiotika resistente Keime

Des Weiteren wurden 47 gegen Standardantibiotika resistente Keime isoliert. 60,8 % der Proben waren mit diesen gegen Antibiotika resistenten Keimen kontaminiert.2 Da diese ein weiteres hohes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen, müssen auch diese Ergebnisse als signifikant beschrieben werden. Zwei niederländische Studien konnten hinreichend den Zusammenhang zwischen einer Rohfütterung und einer Trägerschaft gegen Antibiotika resistenter Keime belegen. Hunde als Träger dieser Keime scheiden sie mit ihrem Kot aus und bringen sie so in die Umwelt ein. Mit gegen Standardantibiotika resistenten Keimen kontaminierte Rohfleischprodukte stellen so eine indirekte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, deren Potenzial laut der Autor:innen deutlich unterschätzt wird (Baede et al. 2017, van Bree et al. 2018; alle zit. in: Nüesch-Inderbinen et al. 2019: 9).

BARFen bzw. Rohfütterung bei Schulhunden und Therapiehunden

Schulhunde und Therapiehunde haben durch ihre besondere Aufgabe in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit häufig einen engen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Therapiehunde, die in Seniorenheimen eingesetzt werden, treffen auf ältere Menschen, deren Immunsystem häufig geschwächt ist. Vor diesem Hintergrund darf die Rolle der Haustiere als Träger der oben genannten pathogenen Keime nicht unterschätzt werden. Zugleich sollte bedacht werden, dass der Einsatz von Tieren nur unter dem Gebot safety first auch in gesundheitlicher Hinsicht erfolgen kann.

Die oben dargestellten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die zulässigen Grenzwerte für die überragende Mehrheit der zur Tierfütterung zugelassenen Rohfleischprodukte nicht eingehalten werden.

Vor diesem Hintergrund ist das BARFen oder die Rohfütterung bei im therapeutischen und pädagogischen Bereich eingesetzten Hunden ausgesprochen kritisch zu sehen, zumal die signifikanten gesundheitlichen Risiken sowohl für das eigene Haustier als auch für die vulnerablen Gruppen einfach und effizient durch das Kochen des Tierfutters behoben werden können. Selbstgemachte Leckerchen, wie die Tatartaler, können im Dörrgerät bei 70°C gedörrt werden.

Hinzu kommt, dass sowohl die als Alleinfutter deklarierten und kommerziell vertriebenen BARF-Rationen als auch die von den Halter:innen selbst zusammengestellten Rationen signifikante Nährstoffimbalancen aufwiesen. So wurden bei 60 bis 73 % der überprüften Rationen deutliche Abweichungen von den gültigen Energie- und Nährstoffempfehlungen für Hunde nachgewiesen (National Research Council 2006, zit. in Vervuert/Rückert 2017: 13f).

Die Schlussfolgerung der hier aufgeführten Ergebnisse kann nur ein Kochen des selbst zubereiteten Hundefutters sein, da nur so die umfangreichen gesundheitlichen Risiken, die eine Rohfütterung für alle Beteiligten mit sich bringt, minimiert werden können. Jedoch stellen diese Futterpläne nur einen Mehrwert für den Hund dar, wenn sie bedarfsgerecht und nährstoffausbalanciert sind. Dies bedarf einer auf das individuelle Tier zugeschnittenen Berechnung der Futterration durch eine versierte und gut ausgebildete Tierärzt:in. Hierbei ist zu beachten, dass die Futterration bei einer möglichen Änderung des Bedarfes immer wieder überprüft und angepasst werden sollte. Der Bedarf eines Hundes kann sich durch gesundheitliche Einschränkungen, weniger Bewegung oder auch das Alter ändern. Dies muss von der Halter:in eigenverantwortlich im Blick behalten werden.

Abschliessend kann zusammengefasst werden, dass vor dem Hintergrund der signifikanten Kontamination der Rohfleischprodukte und den teilweise eklatanten Nährstoffimbalancen das BARFen seinem Ruf einer gesunden oder gar der gesündesten Ernährung nicht gerecht wird.

Adressen zur Rationsberechnung

Dr. Susan Kröger

tierärztliche Ernährungsberatung

c/o Institut für Tierernährung, FU Berlin

Königin-Luise-Str. 49

14195 Berlin

Telefon: 030 / 93 91 04 94

Mobil: 0157 / 80 69 16 09

Mail: info@tierernaehrung-kroeger.de

https://tierernaehrung-kroeger.de


Dr. med. vet. Julia Fritz – napfcheck®

Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

Poststr. 6

82152 Planegg (Praxis)

Tel.: + 49 (0)89 / 856426-00

Tel.: + 49 (0)89 / 3815170-20

Fax: + 49 (0)89 / 856 426 06

E-Mail: info@napfcheck.de

https://www.napfcheck.de


Dr.med.vet Natalie Dillitzer – Futtermedicus

Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

Dachauer Str.47

82256 Fürstenfeldbruck

Telefon: 08141 888 930

Telefax: 08141 888 9329

E-Mail: info@futtermedicus.de

https://www.futtermedicus.de


Bildnachweise

Beitragsbild von jacquielucas0 bei Pixabay, bearbeitet mit Canva

Bild vom Fleisch fressenden Hund von jacquielucas0 bei Pixabay

Bild von den Bakterien von Wikilmages bei Pixabay

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Bibliographie

Baede VO, Wagenaar JA, Broens EM, Duim B, Dohmen W, Nijsse R, Timmerman AJ, Hordijk J. (2015): Longitudinal study of extended-spectrum-β-lactamase- and AmpC-producing Enterobacteriaceae in household dogs.

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Baede VO, Broens E, Spaninks M, Timmerman A, Graveland H, Wagenaar JA, Duim B, Hordijk J. (2017): Raw pet food as a risk factor for shedding of extended-spectrum beta-lactamase producing Enterobacteriaceae in household cats. PLOS ONE 12, e0187239.

van Bree FPJ, Bokken GCAM, Mineur R, Franssen F, Opsteegh M, van der Giessen JW, Lipman LJ, Overgaauw PA. (2018) Zoonotic bacteria and parasites found in raw meat-based diets for cats and dogs. Vet. Rec. 182, 50.

Davies RH, Lawes JR, Wales AD. (2019): Raw diets for dogs and cats: a review, with particular reference to microbiological hazards. J. Small Anim. Pract. 60, 329–339.

Europäisches Parlament und Europäischer Rat (2009): VERORDNUNG (EG) Nr. 1069/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES mit Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1774/2002 (Verordnung über tierische Nebenprodukte). In: Amtsblatt der Europäischen Union L300 vom 14.11.2009, ohne Ort.

Europäische Union (2011): VERORDNUNG (EU) Nr. 142/2011 DER KOMMISSION zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates mit Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte sowie zur Durchführung der Richtlinie 97/78/EG des Rates hinsichtlich bestimmter gemäß der genannten Richtlinie von Veterinärkontrollen an der Grenze befreiter Proben und Waren. Ohne Ort.

Fredriksson-Ahomaa M, Heikkilä T, Pernu N, Kovanen S, Hielm-Björkman A, Kivistö R. (2017): Raw meat-based diets in dogs and cats. Vet. Sci.4, pii: E33.

Freeman LM, Chandler ML, Hamper BA, Weeth LP. (2013): Current knowledge about the risks and benefits of raw meat-based diets for dogs and cats. J. Am. Vet. Med. Assoc. 243, 1549-1558.

Hellgren J, Hästö LS, Wikström C, Fernström LL, Hansson I. (2019) Occurrence of Salmonella, Campylobacter, Clostridium and Enterobacteriaceae in raw meat-based diets for dogs. Vet. Rec. 184, 442.

Lefebvre SL, Reid-Smith R, Boerlin P, Weese JS. (2008): Evaluation of the risks of shedding Salmonellae and other potential pathogens by therapy dogs fed raw diets in Ontario and Alberta. Zoonoses Public Health 55, 470–480.

National Research Council (NRC) (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. Washington DC, USA: National Academic Press.

Nüesch-Inderbinen, Magdalena; Treier, Andrea; Zurfluh, Katrin und Stephan, Roger (2019): Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae. Royal Society Open Research 6: 191170

Vervuert et al. (2017): Der BARF­-Trend in der Hundeernährung – Eine Herausforderung für den Tierarzt? In: kleintier.konkret, 2017; 3: 12 – 15

  1. Auf die detaillierten Analysemethoden wird zum einen aus Platzgründen aber auch aufgrund der Unkenntnis der Autorin nicht weiter eingegangen. Die biochemisch versierte Leser:in sei auf die im Artikel immer wieder verlinkte Originalpublikation verwiesen.
  2. Niederländische Studien zeigten, dass bis zu 80% der Rohfleischprodukte mit gegen Antibiotika resistenten Keimen verseucht waren.
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