Hitze und Überhitzung beim Hund Auf welche Aktivitäten du verzichten solltest

Wie du deinen Hund effektiv abkühlen kannst und welche Aktivitäten du bei Hitze vermeiden solltest

Sobald das Thermometer klettert, wird’s für unsere Hunde ernst. Hunde können ihre Körperwärme nur eingeschränkt regulieren: Sie hecheln und geben nur minimal Wärme über die Pfotenballen ab – richtig schwitzen wie wir Menschen können sie nicht. Stark betroffen sind vor allem kurzköpfigen Rassen, kranke Hunde sowie Hundesenioren. Auf sie gilt es besonders zu achten.

Hitze ist für Hunde aller Rassen ein bedeutender Stressor und eine Gesundheitsgefahr. Es lohnt sich, an heißen Tagen bewusst gegenzusteuern und die Aktivitäten an die Temperaturen anzupassen. Dies gilt auch für den hundegestützten Einsatz. Hier kommen meine wichtigsten Tipps aus der Praxis.

Wie viel Hitze verträgt ein Hund überhaupt?

Der Temperaturbereich, in dem sich Hunde wohlfühlen – die sogenannte thermoneutrale Zone – ist von Rasse zu Rasse unterschiedlich und hängt von Felllänge, Körpergröße und Aktivitätslevel ab. Als grobe Orientierung gelten Temperaturen von 15 bis 20 °C am unteren und 30 bis 35 °C am oberen Ende als kritische Schwellenwerte (Carter et al., 2018). Diese Temperaturbereiche sind insbesondere im Hinblick auf erhitzte Klassenräume dringend zu beachten. Hunde regulieren ihre Körperwärme hauptsächlich über das Hecheln und geben nur minimal Wärme über die Pfotenballen ab (Johnson et al., 2006) – echtes Schwitzen wie bei uns Menschen ist bei ihnen also kaum möglich. Die normale Rektaltemperatur eines Hundes liegt zwischen 37,5 und 39,2 °C (MSD Manual, 2024); wird dieser Bereich überschritten, steigt das Risiko für einen Hitzschlag mit möglichen Organschäden bis hin zum Tod. Aktivitäten wie Laufen oder intensives Spielen erhöhen dieses Risiko zusätzlich, besonders in warmer Umgebung (Robbins et al., 2017). Fehlt ausreichende Abkühlung, ermüden Hunde bei körperlicher Aktivität zudem schneller, was Ausdauer und Leistungsfähigkeit spürbar senkt (Zanghi et al., 2018). Dies gilt auch für einen anstrengenden hundegestützten Einsatz in Kita, Schule oder Therapie! Hier muss im Sinne der Hundegesundheit ggf. auf den hundegestützten Einsatz verzichtet werden.

Alte, kranke und brachycephale kurzköpfige Hunde sind besonders von Hitze betroffen

Kurzköpfige (brachyzephale) Rassen wie Möpse, Französische Bulldoggen oder Boxer sind besonders gefährdet: Weil sie sich über das Hecheln weniger effektiv abkühlen können, kann es bei ihnen bereits bei vergleichsweise moderaten Umgebungstemperaturen von 21 bis 22 °C zur Überhitzung kommen (Lilja-Maula et al., 2017). Auch sehr junge, alte, übergewichtige oder herzkranke Hunde sind besonders gefährdet.

Überhitzung erkennen

Überhitzung als Bedrohung für Hunde Anzeichen früh erkennen.

Warnzeichen für Überhitzung, auf die du achten solltest:

  • starkes, angestrengtes Hecheln
  • dunkelrotes Zahnfleisch, glasiger Blick
  • angespannte Gesichtsmuskulatur
  • Taumeln, Schwäche, Erbrechen
  • extreme Unruhe oder plötzliche Teilnahmslosigkeit

Zeigt dein Hund solche Anzeichen, ist sofortiges, langsames Abkühlen (siehe unten) und der zügige Weg zum Tierarzt wichtig – ein Hitzschlag ist ein Notfall.

Effektive Wege, deinen Hund abzukühlen

Alle Produkte, die wir während des Sommers mit Hund nutzen, findest du in meinem Überblicksartikel “Unser Sommerequipment für den Hund“, den ich fortlaufend aktualisiere.

1. Kühles (nicht eiskaltes) Wasser
Feuchte Handtücher oder ein sanftes Abduschen mit kühlem Wasser an Bauch, Achseln und Pfoten helfen dem Körper, Wärme abzugeben. Eiskaltes Wasser dagegen kann die Gefäße verengen und die Wärmeabgabe sogar verschlechtern – lieber lauwarm bis kühl statt eiskalt. jedoch solltest du deinen Hund nicht mit einem feuchten Handtuch dauerhaft bedecken, da dies zu einem Hitzestau führen kann.

2. Kühlpacks aus dem Erste-Hilfe-Set

Hilfreich für die Abkühlung deines Hundes sind Kühlpacks, die du in der Apotheke erhalten kannst. Durch das Zerbrechen des Innenkerns geben sie ihre Kühlleistung ab. Lege diese auf ein Tuch und kühle damit deinen Hund ab. Für Epileptiker gehören diese Kühlpacks ganzjährig ins Erste-Hilfe-Paket!

3. Schatten und Luftzirkulation
Ein schattiger, gut belüfteter Rückzugsort ist im Sommer Pflicht. Ein Ventilator oder ein kühler Fliesenboden tun im Haus oft schon Wunder. Hilfreich ist auch, dem Hund eine Kühlmatte anzubieten.

4. Wasser zum Planschen
Ein Planschbecken oder flaches Gewässer lädt viele Hunde von selbst zur Abkühlung ein – und macht gleichzeitig Spaß. Auch schwimmfähiges Spielzeug wie das Mandala Tray kann hier zum Doppelpack aus Abkühlung und Beschäftigung werden.

5. Gefrorene Leckereien
Wissenschaftler haben gezeigt, Hundeeis kann eine sinnvolle Ergänzung im Speiseplan deines Hundes sein. Selbstgemachtes Hundeeis, zum Beispiel im Toppl oder Mandala Tray angerichtet, kühlt von innen und sorgt gleichzeitig für sinnvolle Beschäftigung. Meine Rezepte dazu findest du in einer separaten Kategorie auf dem Blog.

6. Ausreichend frisches Trinkwasser
Klingt banal, wird aber oft unterschätzt: Stelle an heißen Tagen mehrere Wasserstellen bereit, drinnen wie draußen, und kontrolliere regelmäßig, ob noch genug und frisches Wasser vorhanden ist. Du solltest das Wasser alle paar Stunden auswechseln. Für Hunde, die zu wenig trinken, kannst du das Wasser geschmacklich mit etwas Leberwurst, Joghurt etc. aufpumpen.

7. Kühlmatten und Kühlwesten
Für Hunde, die häufiger überhitzen oder auch unterwegs Abkühlung brauchen, können Kühlmatten oder -westen eine sinnvolle Ergänzung sein.

Aktivitäten, die du bei Hitze besser vermeidest

  • Ausgedehnte Spaziergänge oder Joggingrunden in der Mittagshitze: Verlege Bewegung auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden, wenn Luft und Boden abgekühlt sind.
  • Intensives Spiel oder Training in praller Sonne: Auch wenn dein Hund motiviert mitmacht, überhitzt der Körper oft schneller, als man denkt. Kurze, ruhige Einheiten im Schatten sind die bessere Wahl.
  • Autofahrten mit Wartezeiten: Ein Auto heizt sich selbst bei vermeintlich moderaten Außentemperaturen und offenem Fenster rasant auf. Den Hund auch nur für wenige Minuten allein im unklimatisierten Auto zu lassen, ist im Sommer keine Option. Hier können Schattennetze oder E-Autos mit Haustiermodus Abhilfe schaffen.
  • Spaziergänge auf Asphalt oder Sand zur Mittagszeit: Heiße Oberflächen können die Pfotenballen verbrennen. Ein einfacher Test: Handfläche für 7 Sekunden auf den Boden halten oder selbst barfuß laufen – wird es dir zu heiß, ist es das auch für die Pfoten deines Hundes.
  • Longieren, Agility oder andere kraftintensive Übungen: Diese Aktivitäten erzeugen viel Körperwärme und sollten an sehr heißen Tagen pausieren oder in die kühleren Tagesrandzeiten verlegt werden. Dies gilt auch für gebuchte Sportwettbewerbe mit Hunden (Canicross, Strong Dog, Dackelrennen etc.), auch wenn du schon eine Startgebühr entrichtet hast und dich auf das Event freust.
  • Reisen ohne Kühlmöglichkeit: Lange Autofahrten ohne Klimaanlage oder ausreichend Pausen sind im Sommer eine zusätzliche Belastung für den Kreislauf deines Hundes. Prüfe auch, ob die Kühlung der Klimaanlage auch im Kofferraum ankommt. Oft sitzen wir im kühlen Luftstrom während der Hund im Kofferraum leidet.
  • Nasenarbeit: Bei der Nasenarbeit haben Hunde einen deutlich höheren Flüssigkeitsbedarf, auch bei Normaltemperaturen. Berücksichtige das unbedingt, wenn du deinen Hund mit Nasenarbeit auslasten möchtest und biete entsprechend mehr an.

Mein Fazit aus der Praxis

Hitze ist für Hunde kein Randthema, sondern eine ernstzunehmende Belastung, die wir als Halter*innen aktiv abfedern können. Am wichtigsten: Das eigene Ego zurückstellen und die Aktivitäten an den Hund anpassen. Signalisiert dieser zum Beispiel, dass er lieber wieder in den kühlen Innenraum möchte, dann solltest du darauf eingehen. Hast du einen kranken oder alten Hund, gilt meist “weniger ist mehr”. Sie stecken Hitze noch schlechter weg als gesunde und Junge Hunde.

Bewegung und Beschäftigung an heißen Tagen bewusst in die kühleren Stunden legen, für ausreichend Schatten, Wasser und Kühlmöglichkeiten sorgen und die Warnzeichen einer beginnenden Überhitzung kennen. Zusätzlich sollte ein hundegestützter Einsatz gut und besonnen abgewägt werden. Bei Phasen mit tropischen Nächten darfst du auch ganz auf anstrengende Aktivitäten oder Einsätze mit deinem Hund verzichten.

Quellen:

Carter, A. J. & Hall, E. J. (2018). Investigating factors affecting the body temperature of dogs competing in cross country (canicross) races in the UK. Journal of Thermal Biology, 72, 33–38. https://doi.org/10.1016/j.jtherbio.2017.12.006

Johnson, S. I., McMichael, M. & White, G. (2006). Heatstroke in small animal medicine: A clinical practice review. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 112–119. https://doi.org/10.1111/j.1476-4431.2006.00191.x

Lilja-Maula, L., Lappalainen, A. K., Hyytiäinen, H. K., Kuusela, E., Kaimio, M., Schildt, K. et al. (2017). Comparison of submaximal exercise test results and severity of brachycephalic obstructive airway syndrome in English bulldogs. The Veterinary Journal, 219, 22–26. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2016.11.019

MSD Manual (2024). Veterinary Manual. Verfügbar unter: https://www.msdvetmanual.com/management-and-nutrition/nutrition-small-animals/nutritional-requirements-of-small-animals (abgerufen am 21. März 2025)

Robbins, P. J., Ramos, M. T., Zanghi, B. M. & Otto, C. M. (2017). Environmental and physiological factors associated with stamina in dogs exercising in high ambient temperatures. Frontiers in Veterinary Science, 4. https://doi.org/10.3389/fvets.2017.00144

Zanghi, B. M., Robbins, P. J., Ramos, M. T. & Otto, C. M. (2018). Working dogs drinking a nutrient-enriched water maintain cooler body temperature and improved pulse rate recovery after exercise. Frontiers in Veterinary Science, 5. https://doi.org/10.3389/fvets.2018.00202

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